Mal wieder gut kochen

Am Sonntag habe ich mal wieder das Black Dal Rezept hervor gekramt. Das hat eine Vorgeschichte: Letztes Jahr war ich mit kalifornischen Freunden einen Tag in London, und wir haben zu einer Menge Sightseeing auch sehr gut gegessen, u.a. bei Dishoom. Mein Geheimtipp, da gehe ich sicher noch einmal hin, wenn ich mich mal wieder in London befinden sollte. Eines der Hausgerichte dort ist ihr Black Dal (schwarze Linsen), das sie 24 Stunden lang kochen, und jeden Tag neu aufsetzen. Göttlich!

Zuhause angekommen, habe ich nach einem Rezept gesucht, und bin im Internet fündig geworden: Dishoom’s Black Dal, aber da ist diese Sache mit den 24 Stunden Kochzeit, deshalb habe ich das bisher erst einmal gemacht, man muss das planen. Zutaten einkaufen, am Abend vorher die Linsen quellen lassen, dann einen halben Tag für die Zubereitung, und eben 24 Stunden kochen. Am dritten Tag kann man’s essen.

Vergangenes Wochenende war eigentlich ungeschickt gewählt, weil ich Samstag morgen in der Bibliothek eingeplant war, aber ich habe dann halt einen Tag verspätet angefangen, Sonntag die Arbeit gemacht, und über Nacht bis zum Montag (heute) Mittag kochen lassen. Das Resultat war noch einmal besser als im ersten Versuch, dieses Mal habe ich besser aufgepasst, dass mir der Kram nicht anbrennt, und es immer ordentlich suppige Konsistenz hat – man muss recht viel Wasser nachgeben.

Weil da ein paar Wartezeiten drin sind, und der Tag eh für nichts anderes mehr zu gebrauchen war, habe ich nebenbei noch aus den letzten eingekellerten Äpfeln aus dem Garten einen Kuchen gebacken, der schon wieder halb aufgegessen ist 🙂

Ist insgesamt eine Menge Arbeit gewesen, sollte aber für ein paar Tage halten, und hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Jugendsünden

Vor einer Woche ist mein neuer PC gekommen. Nachdem der Wunsch-PC nicht geliefert werden konnte, habe ich bei einem anderen Händler ein Modell bestellt, das ebenfalls gebraucht ist, aber für meine Zwecke noch fünf Jahre halten sollte. Es gab ein paar Startschwierigkeiten, so hatte ich z.B. keine Adapter für meine alternden Monitore, und konnte auch nirgendwo in der Stadt welche auftreiben, aber nachdem das gelöst war, habe ich den größten Teilder vergangenen Woche damit verbracht, meine Daten vom alten auf den neuen Rechner zu kopieren.

Dabei bin ich erneut über ein Kleinod gestolpert, das ich schon vor einigen Wochen auf einer alten Diskette gefunden hatte: Ein Textadventure, das ich zur Schulzeit mit meinen Freunden Arbo und Hans geschrieben habe, offenbar für eine Schulaufgabe in der Listen verwendet werden sollten.

Natürlich habe ich wieder einmal nur den Quelltext gehabt, keine ausführbare Datei, und da das Spiel für Turbo Pascal unter MS-DOS entwicklet wurde, war es nicht ganz so einfach, es zum Laufen zu bekommen.

Heute war Programmierklub in der Bücherei, und wegen der Winterferien sind kaum Kinder gekommen, so dass ich wenig zu tun hatte. Da habe ich mir erst DosBox installiert, um einen alten DOS Rechner zu simulieren, und dann darin Free Pascal, das zu Turbo Pascal beinahe komplett kompatibel ist. Damit konnte ich die Sourcen mit wenigen Änderungen übersetzen, und das Spiel nach 25 Jahren zum ersten Mal wieder spielen.

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Es gab ein paar unerwartete Probleme: Wie man im Screenshot sieht, ist das Spiel in deutscher Sprache, und der Parser erwartet Worte wie öffne, Gemälde und Süden. In der Schule hatten wir deutsche Tastaturen, aber DosBox ist standardmäßig amerikanisch (erinnert sich noch jemand an KEYB GR?), und auf meiner Tastatur sind keine Umlaute, weil sie ein US Layout hat. Für die Ausgabe benutzt das Programm die Unit CRT, die in UCSD und Turbo Pascal für Ausgaben auf dem Textbildschirm (und die Funktion CLRSCR) nötig waren, und Free Pascal hat die unter DOS nicht standardmäßig installiert, weil sie in einem Verzeichnis mit dem Namen rtl-console liegt, dessen Name mehr als 8 Zeichen lang ist. Das zu diagnostizieren hat mich etwas Zeit gekostet.

Ich habe es bisher nicht geschafft, das Spiel zu gewinnen. Die Texte sind ein wenig peinlich, und der Quellcode auch, immerhin habe ich seitdem 25 Jahre dazu gelernt. Aber vielleciht pakce ich das Resultat doch ins Netz, einfach aus Spaß daran, dass diese Wiederbelebung geklappt hat.

Saftladen

Nach einer echt gebrauchten Woche wollte ich mir Freitag etwas Gutes tun, und einen neuen PC kaufen. Auf refurb.no habe ich für wenig Geld einen schicken Desktop mit 12GB Speicher gefunden, der zwar nicht mehr der neuste war, aber für meine Zwecke genau richtig. Ich brauche keinen High-End Gaming PC im Arbeitszimmer, eine schnelle CPU und genug Speicher sind mir wichtiger.

Also habe ich den Rechner bestellt, und da es schon Wochenende war, nicht damit gerechnet, dass ich vor Montag etwas höre, aber das ganz Wochenende voller Vorfreude dran gedacht. Hachz!

Samstag wollte ich noch einmal auf die Details gucken, habe in der Suche nach dem Angebot geschaut, es aber nicht mehr gefunden. Na gut, dachte ich, das ist ein gebrauchter PC, da hatten sie vielleicht nur noch einen von. Aber schau, da ist er noch einmal, nur mit doppelt so viel Speicher, und 50% teurer. Hmm.

Heute morgen kam dann eine Mail: Der Rechner könne leider nicht geliefert werden, weil er gar nicht auf Lager ist. Heul! Wie kann so etwas passieren? Mein Verdacht: Die haben den gleichen Rechner zweimal eingestellt, in einer günstigen und einer teuren Variante, um verschiedene Kundensegmente auszuloten. Und als über das Wochenende dann beide bestellt wurden, haben sie das teurere Modell konfiguriert und verschickt, und dann war für mich keiner mehr da.

Leider hat der Laden auch keine vergleichbaren Rechner anderer Hersteller (außer eventuell von Lenovo, aber Lenovo kaufe ich nicht). Ich suche also weiter.

Space Day

Heute bin ich nach Oslo ins Grand Hotel zum Space Day 2019 gefahren. Da stellte dich die norwegische Weltraumindustrie vor, vor allem für Schüler, die sich für ein Studienfach und eine Karriere entscheiden müssen. Aber ich dachte, ich gehe mal hin, und schaue, ob nicht jemand Software-Entwickler für spannende Sachen sucht, die in den Weltraum geschossen werden.

Der Tag fing nicht gut an. Auf dem Weg zum Bus fiel mir auf, dass mit meinem Zaun wohl etwas nicht stimmte. Mist.

Da ist wohl der Schneepflug letzte Nacht nicht um die Kurve gekommen. Unterwegs habe ich die Kommune angerufen, die haben das zu ihrem Subunternehmer mit dem Schneepflug weitergeleitet, damit er mich anruft. Hat er dann auch irgendwann im Laufe des Tages getan, und mir versprochen, dass er das im Frühling repariert “wahrscheinlich vor dem 17. Mai”, wenn kein Schnee mehr liegt, und die Farbe eine Chance hat, zu trocknen. Von mir aus kann er mir auch einen ganz neuen Zaun hinstellen, der musste eh gestrichen werden.

Der Event war so mittelmäßig bis nicht hilfreich. Es gibt nicht viel Space-Industrie, und die meisten sind von der Sorte, die Daten von europäischen Satelliten auswerten. Eine Politikerin war da, die blumig von der Zukunft grüner Technologien geredet hat, und wie wichtig der Weltraum doch dafür wäre, und dann gab es einige Fallbeispiele und Stände, an denen man sich unterhalten konnte. Die fielen in zwei Kategorien: Firmen, die Elektronik machen, und keine Software-Entwickler brauchen, und Firmen, die Software machen, aber heute nicht erschienen waren.

Ich werde wohl meinen Traum, einmal im Leben einen Roboter zum Mars zu schicken, nicht verwirklichen können. So etwas cooles macht niemand auch nur annäherungsweise.

Auf dem Rückweg habe ich mir bei meinem alten Arbeitgeber einen Gratis Monitor schenken lassen, damit der nicht in den Elektro-Müll wandert, und den mit nach Hause geschleppt.

Bleibt noch zu berichten, dass das Catering im Grand Hotel ganz passabel war. Es gab neben ausreichend Kaffee belegte Baguettes zum Lunch, und kleine Teilchen und Früchte als Snack zwischendurch. Für ein Event, dass hauptsächlich von Jugendlichen besucht wurde, finde ich das ziemlich ordentlich, da habe ich schon professionelle Konferenzen besucht, die schlechteres Essen hatten. *hust* wraps *hust*

 

Snowmageddon

Es schneit seit einer Woche unentwegt. So habe ich das in all den Jahren hier noch nicht erlebt. Gestern hat die Müllabfuhr die Tonne zum Glück noch gefunden, und ich habe sie gleich zurück gestellt, heute ist von ihr keine Spur mehr zu sehen.

Der Kater war jetzt seit Tagen nicht mehr draußen, dem gefällt das nämlich auch überhaupt nicht. Und das, wo wir doch kein Katzenklo im Haus haben; ich werde eventuell doch noch einmal in das Wetter raus müssen, und eines kaufen.

Die Haustür ging heute morgen nicht auf, weil sich zu viel Schnee vor ihr türmte. Dabei habe ich gestern Abend noch geschaufelt. Also bin ich zur Veranda raus, und bin über die Leiter für den Kater in den Garten hinab gestiegen, wo der Schnee so hoch liegt, dass man mindestens bis zu den Knien drin versinkt, egal wo man steht. Ich habe mir einen Weg bis zur Haustür geschaufelt, und sie frei gelegt.

Schnee
Bild vom Schnee, der sich auf meiner Veranda türmt.

Bei der Gelegenheit habe ich realisiert, dass die Verandatür sich in der Kälte verzogen hat, und nicht mehr richtig schließt. Am unteren Ende fehlt ein halber Zentimeter bis zum Anschluss, damit der Schließmechanismus in das Gegenstück einrastet. Das ist bei der momentanen Kältewelle natürlich Mist, und ich kann das auch nicht reparieren, muss wohl ein Handwerker her.

Hoffentlich brauche ich keine neue Tür. Das Konto leidet momentan eh, nach den ganzen Arztbesuchen im Januar.

Die neue Zahnkrone ist übrigens drin, und alles funktioniert wieder. Auch Essen kann ich wieder ziemlich normal, nachdem die Gallenblase da nicht mehr mitreden kann.

 

Löcher in den Bauch

… fragen einen nicht nur Kinder. Man kriegt die auch, wenn man sich die Gallenblase mit einer Schlüsselloch-OP entfernen lässt. Ich habe vier Stück gekriegt.

Im Krankenhaus kriegt man ja tolle Drogen, und wenn ich nach so einer OP aufwache, fühle ich mich oft richtig gut. Das erste mal seit Tagen richtig ausgeschlafen, keine Schmerzen, alle kümmern sich um mich – zwei Wochen Krankschreibung? Ach was, ich doch nicht!

Was ich dabei nicht bedacht habe, ist natürlich, dass ich daheim alles selber machen muss. Schnee schaufeln, Katze füttern, Essen kochen, mit dem Bus zum einkaufen fahren, Wäsche waschen, Verbandswechsel, Staub saugen, das sind alles Tätigkeiten, bei denen man seine Bauchmuskeln schon echt vermisst, und wo die Narben von der Operation bewegt werden und zu schmerzen anfangen, wenn man plötzlich nur noch Paracetamol kriegt. Ich liege also seit Freitag Mittag flach im Bett, nachdem ich mich erst einmal ausgiebig überfordert habe.

So gar nichts zu tun ist ja wieder meine Natur (weshalb ich wohl gerade blogge), andere Menschen würden die Gelegenheit nutzen, einmal Netflix rauf- und runter zu schauen, aber außer der zweiten Season von Detectorists und dem Handballspiel am Freitag habe ich mich nicht recht dazu aufraffen können. Dabei habe ich noch so viele Filme aus 2018 nicht geguckt.

Morgen soll ich offiziell wieder Arbeiten können, aber das wird wohl nichts. Schon deshalb nicht, weil meine temporäre Zahnkrone locker sitzt. Nachdem ich die OP bekommen habe, habe ich den Termin beim Zahnarzt, der mir Donnerstag die permanente Krone einsetzen wollte, kurzerhand um acht Tage verschoben, und so lange hat das Provisorium wohl nicht gehalten. Natürlich passiert mir das wieder an einem Sonntag, aber ich hoffe mal, morgen kriege ich das geregelt.

PS: Der neue WordPress-Editor kann mich mal. Ich hoffe, die schaffen den Alten nicht ab, ehe das benutzbar ist.

 

Gesundheitswesen, Nachtrag

Nach meiner Geschichte habe ich einige Fragen bekommen, darunter vor allem “warum hat das so lange gedauert? Ist das normal?”.

Zur Einordnung: Ich hatte meine ersten Symptome im Februar 2016. Die OP im Januar 2019, also nach fast drei Jahren. Der Ablauf war in etwa so:

1. Ich war im Februar 2016 über lange Zeit im Krankenhaus zur Bestrahlung. Dabei wohnte ich im Hotel, das ans Krankenhaus angeschlossen ist, das sehr leckeres Essen hatte, und an meinem letzten Abend gab es Lachsfilets, und lauter andere Sachen, die ich gerne mag. Ich habe ausgiebig geschlemmt, und in der Nacht hatte ich schlimme Bauchschmerzen und habe mich übergeben. Da das Krankenhaus direkt ein Stockwerk unter dem Hotel lag, bin ich in die Nachtwache gegangen, habe denen gesagt, was los ist, und mich natürlich gefragt, ob das mit den Strapazen der letzten sechs Wochen Bestrahlung zusammenhängt. Der anwesende Arzt meinte, nein, das sei sicher vorübergehend, hat mir ein Schmerzmittel und eine Schlaftablette gegeben, und noch je zwei Dosen für unterwegs.

2. Es ist dann im Anschluss noch ein paar mal passiert, aber ich habe das immer darauf geschoben, dass mein Auge hungriger ist als mein Magen, und ich mich einfach überfressen hatte. Mit normalen Schmerzmitteln hatte ich die Situation auch meist nach ein bis zwei Stunden Unbehagen im Griff.

3. Zu dieser Zeit hatte ich auch eine Menge andere Stressfaktoren, ich war erst arbeitslos, dann in einem neuen Job, und immer noch über 50% krank gemeldet. Ich habe die Sache also verdrängt, und vorsichtiger gegessen, statt meinem Hausarzt davon zu erzählen. Mein Fehler.

4. 2017 kamen die Anfälle häufiger, und über Weihnachten beim Familienbesuch war es kein Spaß. Ich habe endlich mal meine Systeme im Internet nachgeschaut, und Gallensteine als mögliche Ursache entdeckt. Mit der Vermutung bin ich Anfang 2018 zum Arzt gegangen, der hat sich meine Leiden angehört, und kam unabhängig auf den selben Verdacht. Und sagte mir, dass man da am besten eine OP macht, wenn man das abstellen will. Aber erst einmal muss die Sache gründlich untersucht werden, dafür muss ich zum Spezialisten überwiesen werden, um eine Ultraschall-Untersuchung zu machen. Das hat er in die Wege geleitet.

5. Nachdem das Gesundheitswesen eine Weile gearbeitet habe, bin ich um Ostern herum zum Ultraschall geschickt worden (das Gesundheitswesen arbeite nur auf dem Briefweg), der Techniker hat mir den Bauch beschallt, und auf seinen Schirm gezeigt: Guck mal, du hast enorm viele Steinchen in Deiner Gallenblase. Das tut bestimmt weh. Bei der Menge solltest Du auf jeden Fall eine OP machen, und die Gallenblase entfernen.

6. Mit dem Ergebnis bin ich dann wieder zum Hausarzt, der immer noch meinte, meine beste Lösung sei eine OP. Hier sind sich also alle einig, prima, dann machen wir das. Aber das kann der Hausarzt nicht veranlassen, so eine OP muss von einem Gastrologen angeordnet werden. Zu dem werde ich überwiesen, und nach einer Weile kriege ich einen Termin im August. Weil da aber Sommerferien sind, und in Norwegen niemand in den Sommerferien arbeitet, wird der Termin um einen Monat verschoben. Dreimal.

7. Im November gehe ich also zur Gastrologie, und inzwischen kann ich es auch kaum abwarten, dass das Ding weg kommt, aber nein, es gibt noch keine OP. Der Gastrologe muss die ja erst anordnen, und das kann er erst machen, wenn ich mich dafür entschieden habe, nachdem mir allemeine medizinischen Alternativen erklärt wurden.

8. Dafür muss ich ihm zum ixten Mal meine komplizierte Krankengeschichte der letzten 10 Jahre erzählen, meine Symptome auflisten, und überhaupt: Das steht alles in meiner digitalen Krankenakte, die ja angeblich Bürokratie abbauen und das Gesundheitswesen optimieren soll, warum rede ich mir den Mund fusselig? Der Gastrologe sagt, ich hätte zwei Alternative: Entweder operiert man die Gallenblase komplett raus, was unkompliziert sei, oder ich habe mein Leben lang Schmerzen. Ich entschiede mich weiterhin für Umschlag A, weg mit dem Ding. Jetzt muss er mir nur noch einen Termin für die OP geben, denke ich, aber das macht die Verwaltung, denn da sind ja noch die Anästhesie und eine Menge andere Leute beteiligt, und das ist kompliziert.

9. Es wird 2019, und ich warte immer noch auf einen OP-Termin. Weihnachtsessen habe ich mit viel Vorsicht überlebt, aber trotzdem bin ich 2-3 mal pro Monat um den Schlaf gebracht. Die Anfälle dauern inzwischen länger, bis zu 8 Stunden, und ich habe vom Hausarzt Voltaren gekriegt, wovon ich die doppelte verordnete Dosis nehme, weil es sonst nicht hilft. Ich verpasse viel Arbeit, weil ich nur tagsüber schlafen kann.

10. Ich habe plötzlich 2 Anfälle kurz hintereinander, und mein Voltaren neigt sich dem Ende zu. Ungeduldig rufe ich das Krankenhaus an, wann denn mein Termin kommen soll, und kriege die Antwort, dass da noch nichts passiert sei, die Planung für Q2 machen sie erst zeitnah. Ich frage, ob es nicht vielleicht eher geht, und kriege noch einen Termin für Mitte März! Toll. Aber vorher muss ich noch zu einem Pre-operativen Gespräch, wo mir erklärt wird, welche Verhaltensmaßnahmen für den Tag der OP gelten (fasten, wegen Vollnarkose) und ich mit der Anästhesei über meine Medikamente spreche (stehen die nicht in meiner Akte? Doch, ja, aber ist Vorschrift). Das Meeting kriege ich für Ende Februar in den Kalender, prima.

Tegnehanne: legemidler
Comic stolen from Tegnehanne, without permission.

11. Auf die zwei Anfälle folgen in der selben Woche noch zwei weitere, und es wird mir zu bunt. Ich rufe erneut das Krankenhaus an, und frage, ob sie nicht eine Liste mit Ernstfällen haben, falls ein Patient absagt, dass man da reinrutscht? Ja, die gibt es, aber ohne das Pre-Op Gespräch nützt es nichts, da drauf zu sein, und das habe ich ja noch nicht. Kann ich am Montag kommen dafür? Seltsam, plötzlich geht das schnell. Ja, klar.

12. Montag also zu dem Gespräch gegangen, Krankengeschichte, Allergien und Medizin aufgelistet,zum fünften Mal im Leben erklärt bekommen, wie eine Vollnarkose funktioniert, dass man sich vor der OP ordentlich waschen soll, etc. pp.

13. Dienstag kommt ein Anruf vom Krankenhaus: Ob ich Mittwoch morgen um 7:15 zu einer OP kommen könnte, sie hätten eine plötzliche Absage gekriegt. Plötzlich geht alles schnell, ich sage alle meine Vorhaben für die kommende Woche ab, sorge dafür, dass ich die Unterstützung habe, die ich nach der OP brauche, und packe für einen Tag ohne Übernachtung im Krankenhaus, esse noch was zu Abend, ehe das Fasten für die Narkose beginnt.

14. Mittwoch. Nach noch einer fürchterlichen Nacht (Pizza essen war wohl verkehrt, obwohl es bisher nie Probleme gemacht hat) erscheine ich um 6:30 mit dem ersten Bus am Krankenhaus. Von hier an bin ich in der Hand von Menschen, nicht Bürokraten und einem namenlosen “Krankenwesen”, und alles geht super schnell und professionell von der Bühne, mit sehr netten Krankenpflegern und Ärzten. Nachmittags holt mich A. nach der Arbeit ab, nachdem mir das Krankenhaus noch Medikamente und Pflaster mit Anweisungen auf den Weg gegeben hat. Nicht bücken, keine schweren Sachen heben, beim Essen vorsichtig sein, fettes Essen meiden, über die nächsten 4 Wochen langsam herantasten. Okay.

Ist das Gesundheitswesen Schuld, dass es so lange dauert? Erst einmal habe ich zu lange gewartet, ehe ich mich an meinen Hausarzt gewendet habe, danach habe ich viel Zeit verloren, weil mir nicht immer klar war, dass ich eine Überweisung brauche, oder wer jetzt gerade den Ball in seinem Feld hat – Hausarzt oder Spezialist? Das ist für einen Einwanderer ohne Vorwissen nicht immer einleuchtend. Dann dauert es wahnsinnig lange, Termine zu bekommen, die in der Regel mehrfach verschoben werden, aus “unvorhersehbaren” Gründen wie Urlaub. Und es gibt zu viele vorgeschriebene In-Person Meetings, was diesen Umstand noch einmal verschlimmert. Die sind aus einer Zeit vor der Digitalisierung, da bin ich mir sicher. Die angedachte Vereinfachung des Systems durch den Einzug der Computer hat noch nicht stattgefunden, glaube ich. Oder man traut dem Braten nicht.

Positiv ist für mich immer, dass in Norwegen jeder die Behandlung kriegen kann, die er braucht, egal was er für einen Job hat, ob er privat versichert ist oder nicht. Aber das wird halt auch damit erkauft, dass die Krankenhäuser viel zu tun haben, und man Einsparungen durch die Politik ziemlich direkt bemerkt. Unangenehm finde ich wie gesagt, dass man selber drängeln muss, damit sich was tut, und dass das dann klappt, heißt ja auch, dass man noch schlechter dran ist, wenn man es nicht tut, wie es eigentlich in meiner Natur liegt.

 

Ende gut, alles gut

Ich bin zurück aus dem Krankenhaus. Gestern Nachmittag hat die Gastrologie mich nach sehr gut gelungener Operation nach Hause geschickt, und ich habe die Nacht bei A & L im Gästezimmer verbracht, weil die Ärzte darauf bestanden, dass in der Nacht jemand in der Nähe ist, falls es doch zu Komplikationen kommen sollte. Es lief aber alles prima, ich habe auch fast keine Schmerzen mehr, außer wenn ich meine Bauchmuskeln benutze. Da sind ja vier neue Löcher drin. Ich darf nichts schweres heben (Rufus fällt in die Kategorie “schwer”), kann mich nur schwer bücken, und jemand sollte mal eine Maschine erfinden, die Schuhe zu knotet.

Das Personal im Krankenhaus Tønsberg war ausnahmslos nett, hat alle meine Fragen beantwortet, auch wenn es mal seltsame Sachen waren, wie die Hygieneroutinen für OP Kleidung. Einer meiner ersten Jobs war ja eine Software zur Etikettierung für eine Krankenhausreinigung, ich hatte da also “professionelles” Interesse.

Bis Montag bin ich noch krank geschrieben, und ich schaue mal, wie viel von der Zeit ich vor dem Fernseher verbringen kann, um mein Backlog von Filmen aus 2018 aufzuholen.

Es geht los!

Das Krankenhaus hat mich heute Mittag angerufen, und fragt, ob ich morgen Zeit hätte für die OP, ein andere Patient hat kurzfristig abgesagt. Natürlich will ich den Termin haben! Endlich Schluss mit dem Kram.

Ich habe also in aller Hektik dafür gesorgt, dass ich diese Woche nichts anderes vorhabe (Sorry, Zahnarzt), und Mittwoch Abend jemand in der Nähe ist, falls ich in der Nacht irgendwelche Probleme bekommen sollte (Wunsch vom Krankenhaus). Jetzt packe ich eine Tasche, rasiere mich noch schnell, damit sie die Sauerstoffmaske auflegen können, und stelle meinen Wecker auf 5:40, damit ich den Termin nicht verpasse.

Bitte Daumen drücken. Hoffentlich klappt alles so gut, wie ich es mir wünsche.

Rekord

Diese Woche habe ich vier Nächte nicht geschlafen wegen der Gallensteine. So schlimm war es bisher mit Abstand nicht, es scheint sich etwas geändert zu haben bei den Lebensmitteln, die ich vertrage. Morgen habe ich den Pre-Op Termin beim Krankenhaus, und muss außerdem meinen Hausarzt für ein neues Rezept anrufen, weil meine Schmerztabletten so gut wie alle sind. Bei weniger als der doppelten verschriebenen Dosis tut sich da nämlich nichts.

Bis zum März wird es noch eine lange Zeit, fürchte ich.